[Bücher] „Freischwimmen. Wer die Wahrheit sucht, muss tief tauchen“ von Adam Baron

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„Angst vor meiner Mum. Das war kein gutes Gefühl, und ich fragte mich, wie das möglich war.“ (S. 64)

Cymbeline ist in der 4. Klasse und ein sehr sportlicher Junge. Da sollte er sich doch eigentlich freuen, dass ab jetzt montags der Religionsunterricht ausfällt und er stattdessen mit seiner Klasse ins Schwimmbad fährt, oder? Wäre da nicht die Tatsache, dass Cymbelines Mutter noch nie mit ihm zum Schwimmen gefahren ist. Ihre Erklärungen dafür: eine Sandallergie, die Krokodile in den Flüssen, die Ungeheuer in den Seen und das Chlor im Schwimmbad.

Als Cymbeline während des Schwimmunterrichts ins Wasser geschubst wird und gerettet werden muss, führt das zu einer großen Krise. Cymbelines Mutter ist vollkommen verzweifelt und hört nicht mehr auf zu weinen. Noch nicht mal einen Gute-Nacht-Kuss kann sie ihm geben. Und am nächsten Morgen? Am nächsten Morgen ist sie einfach weg.

„Und dann merkte ich, dass ich noch jemanden hasste, nämlich meine Mum, und als ich das begriff, drehte sich mir der Magen um. Sie hatte mich verlassen. Wie konnte sie das tun? Egal, was passiert war. Wusste sie denn nicht, was das für mich hieß?“ (S. 145-146)

Cymbeline muss tief tauchen, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Warum hat seine Mutter so viel Angst vor dem Schwimmen? Woran ist sein Vater gestorben? Warum streiten sich seine Tante und seine Mutter immer? Zusammen mit Freunden – neuen wie alten – macht er sich auf die Suche nach der Wahrheit.

„Freischwimmen“ ist ein wirklich bewegendes Buch. Besonders beeindruckend finde ich, dass es dem Autor meiner Meinung nach hervorragend gelingt, seine Zielgruppe (nämlich Kinder ab 10 Jahren) anzusprechen. Das Buch behandelt wirklich schwierige Themen, allen voran den Umgang mit traumatischen Erfahrungen. Ich hatte beim Lesen immer wieder kurz Tränen in den Augen, bin aber nie ganz verzweifelt. Das lässt der Autor nicht zu. Er zeigt schwierige Themen auf und beschreibt Cyms Gefühle und Ängste sehr authentisch. Das wühlt auf. Und trotzdem lässt Adam Baron den Leser nicht allein. Nimmt ihn immer wieder an die Hand und lockert die Stimmung durch leichtere Passagen wieder auf.

„Die Erwachsenen sollten nichts weglassen. Wirklich nichts. Sie müssen das ganze Bild malen, alles, und keine Angst davor haben. Wenn sie uns dabei nur fest genug im Arm halten, so fest, dass wir wissen, dass sie uns lieben, dann können sie uns alles sagen, egal was.“ (S. 203)

Für mich war „Freischwimmen“ aus den verschiedensten Gründen eine sehr bewegende Lektüre. Es hat mich persönlich tief berührt und glaube, dass es noch viele Leserherzen höher schlagen lassen wird.

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