[Bücher] „Irgendwo ist immer Süden“ von Marianne Kaurin

„Es ist Sommer. Wir haben Ferien. Endlich kann es losgehen mit all den Plänen. Wenn man welche hat.“

„Irgendwo ist immer Süden“, Kaurin, S. 27 im E-Book

Seit einigen Monaten ist Inas Mama immer müde. So müde, dass sie kaum was zu essen kocht und oft nur in dreckigen Jogginghosen am Tisch sitzt. Ina hat schon in vier Wohnungen und in drei Städten gewohnt. Und Freunde hat sie auch keine – zumindest keine, die sie sich nicht ausgedacht hat. Aktuell wohnt Ina mit ihrer Mutter in Tyllebakken – einer heruntergekommen Wohnanlage.

Als am letzten Schultag vor der Sommerferien alle Kinder erzählen sollen, wo sie die Ferien verbringen werden, schämt sich Ina, dass sie wie immer zu Hause bleibt – im Gegensatz zu ihren Mitschülern. Und die will Ina ja schließlich beeindrucken. „Im Sommer fahre ich in den Süden“ erzählt Ina also, als sie an der Reihe ist. Blöd nur, dass sie sich jetzt die ganzen Sommerferien in der kleinen Wohnung verstecken muss, damit niemand mitbekommt, dass sie eigentlich gar nicht im Süden ist. Und all ihre Klassenkameraden posten Urlaubsbild um Urlaubsbild …

„Auf allen scheint die Sonne. Bei allen ist es genial. Keiner langweilt sich, keiner streitet oder hat schlechte Laune. Keine Wolken am Himmel.“

„Irgendwo ist immer Süden“, Kaurin, S. 63 im E-Book

Doch dann steht auf einmal Vilmer vor ihrem Fenster und wirft kleine Kieselsteine. Vilmer, der auch in Tyllebakken wohnt. Vilmer mit den uncoolen T-Shirts. Vilmer, dem es nicht zu peinlich ist, in der Klasse zu erzählen, dass sein Vater pleite ist und sie nicht in den Urlaub fahren können. Ina hat die Möglichkeit, den Sommer ihres Lebens zu verbringen. Doch ist Vilmer cool genug? Schließlich sucht Ina Freunde, die sie hochziehen und nicht runter …

Ich liebeliebeliebe dieses Buch! Der norwegischen Autorin Marianne Kaurin gelingt es unglaublich gut, die traurige Situation von Ina zu Beginn der Sommerferien, den Wunsch dazuzugehören und die Verzweiflung, es nicht zu tun, einzufangen. Mit Vilmer ändert sich dann alles und nicht nur Ina, sondern auch ich als Leserin schließe ihn von Seite zu Seite mehr in mein Herz. Ich genieße es, genau wie Ina, mit Vilmer zusammen im Süden zu sein. Spüre die Leichtigkeit, die es dort gibt, und fliege beinahe über die Seiten – mit lächelndem Herzen. Trotzdem bleibt nicht alles eitel Sonnenschein. Irgendwann muss sich Ina fragen, was wahre Freundschaft bedeutet.

Ich freue mich schon darauf, wenn ich in einigen Jahren wieder eine Klasse haben werde, mit der ich dieses Buch lesen kann. Das Buch ist für Leser*innen geschrieben, die etwa so alt sind wie Ina (11 Jahre). Es bietet viel Identifikationspotenzial, viele Situationen zum Diskutieren und zum Austausch. Welche Freunde ziehen einen wirklich hoch? Muss man sich dafür schämen, wenn man nicht in den Urlaub fährt? Wann ist es schlimm zu lügen? Und was kann man tun, wenn man einen Fehler gemacht hat?

2 Kommentare zu „[Bücher] „Irgendwo ist immer Süden“ von Marianne Kaurin

  1. Das klingt gut, ich freu mich, dass du das Buch rezensiert hast. Ich habe es auf meiner Liste stehen, war mir allerdings nicht sicher, ob ich es wirklich lesen möchte.

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