[Bücher] „Die Liebesbriefe von Abelard und Lily“ von Laura Creedle

Lily ist 16 Jahre alt und leidet an ADHS. Wo sie ist, geht meist irgendwas kaputt. Ihr Drang, Dinge und Menschen anzufassen, ist für sie meist nicht zu kontrollieren. Und dann ist da Abelard, ein Mitschüler mit dem Asperger-Syndrom und einer kleinen Narbe auf der Wange. Die Narbe stammt von einer Brotdose, mit der Lily ihn als Kind einst abgeworfen hat. Heute, einige Jahre später, sitzen die beiden vor dem Direktorat der Schule, denn sie haben gemeinsam eine Trennwand in der Schule zerstört. Abelard, weil er die Wand reparieren wollte. Lily, weil sie unbedingt wissen wollte, wer auf der anderen Seite steht. Und dann hat Lily diesen Impuls. Einen der Impulse, die sie nicht unterdrücken kann: Sie muss Abelard unbedingt küssen. Ein Mädchen mit ADHS und ein Junge mit dem Asperger-Syndrom – kann das gut gehen?

Ich wünschte, ich hätte dieses Buch schon früher gelesen. Die Autorin Laura Creedle leidet wie ihre Protagonistin Lily selbst an ADHS und ich habe das Gefühl, noch nie einen so authentischen Blick auf diese Krankheit bekommen zu haben wie durch dieses Buch. Lily ist eine tolle Hauptfigur: Mit großem Herzen, vielen Gedanken, einer Liebe für die Literatur und einigen kaputten Gegenständen wirbelt sie durch die Geschichte. Mit ihrem ADHS-Medikament spürt sie sich selbst nicht mehr, ohne ist sie – ihrer Meinung nach – eine Last für andere. Einfach kaputt.

„Du bist eine gebrochene Schneeflocke, ein sich in unendlichen Details wiederholendes Muster in einer Welt voller Salzkristalle – du bist perfekt.“ (S. 157)

Doch dann ist da plötzlich Abelard. Der Abelard, mit dem sie Unterhaltungen führen kann, die nur aus Buchzitaten bestehen. Der Abelard, der sie in ihrem Chaos für perfekt hält. Doch die Beziehung der beiden steht vor großen Hürden. Wirklichen, echten und nachvollziehbaren Hürden. Ich mag, dass diese Geschichte so echt ist. Und das auf eine sehr berührende Art und Weise. Ich mag auch, dass die Figuren darin weder schwarz noch weiß sind. Nicht gut oder schlecht.

Abelard und Lily“ wird oft mit „Eleanor und Park“ verglichen. Es ist schon etwas zu lange her, dass ich das Buch gelesen habe, aber ich weiß noch, dass mich diese Geschichte ebenso berührt hat wie nun die von Abelard und Lily. Auch hier treffen besondere Charaktere aufeinander und genau das ist es, was gute Bücher für mich ausmachen.

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