Bücher

[Bücher] „Das Nest“ von Cynthia D’Aprix Sweeney

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„Haben Sie auch ein Buch von Jonathan Topper?“, war vor kurzem meine Frage in der örtlichen Buchhandlung. „Nein, leider nicht. Aber wenn Sie den Stil von Tropper mögen, könnte dieses Buch auch was für Sie sein!“, sagte die sympathische Buchhändlerin und drückte mir „Das Nest“ in die Hand.

Nach dem Lesen kann ich sagen, dass das eine wirklich gute Empfehlung war. Der Schreibstil der Autorin ist herrlich bissig, ihre Charaktere auf eine unperfekte Art interessant und liebenswert.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die Geschwister Plumb: die etwas schlichte Melody, die immer alles richtig machen möchte. Der Antiquitätenhändler Jack, der sich finanziell etwas übernommen hat. Bea, die nicht mehr an ihre schriftstellerischen Erfolge vor einigen Jahren anknüpfen kann. Und zu guter Letzt Leo, der, während er seine Frau mit einer 19-jährigen betrog, einen schweren Autounfall baute. Ja, genau: während er seine Frau betrog.

Alle Geschwister freuen sich seit Jahren auf das Nest. Das Nest ist eine, mittlerweile ziemlich große, Geldsumme, die ihr Vater einst angelegt hat, um seine Kinder zu unterstützen. Nur noch wenige Monate, dann soll ihnen das Geld ausgezahlt werden. Doch dann macht Leo den Unfall und Mutter Plumb nutzt das Geld, um die Wogen zu glätten. Die Geschwister sind nun gezwungen, sich nicht nur miteinander, sondern vor allem auch mit sich selbst auseinanderzusetzen.

Während Cynthia D’Aprix Sweeney die große Handlung vorantreibt, erzählt sie ganz viele kleine Geschichten. Das hat mir erstaunlich gut gefallen. Jede Geschichte an sich, jeder Protagonist, konnte mich fesseln.

Ich mag es, dass es in diesem Buch so wenig Wertung gibt. Es gibt kaum schwarz-weiß. Es gibt viele Ecken und Kanten, ganz viele Zwischentöne. Ganz viel Unperfektes. Und ist nicht das das wahre Leben? Machen wir nicht alle mal Fehler? Manchmal bewusst, manchmal unbewusst und manchmal, obwohl wir eigentlich nur das Richtige tun wollen?

 

Bücher

[Bücher] Tolle Neuerscheinungen im ersten Quartal 2020

Ich liebe es, in den Vorschauen der Verlage zu stöbern und mir zu notieren, welche tollen neuen Bücher in den nächsten Monaten erscheinen. Leider lese ich doch zu wenig, um all die Bücher zu entdecken, die mich beim Durchklicken erwartungsvoll anlächeln und nur von mir gekauft werden wollen, aber trotzdem: Es macht einfach Spaß!

Ich dachte, diese Freude teile ich mit euch und liste mal – ganz kunterbunt natürlich – die tollsten Bücher auf, die ich entdeckt habe.

Januar

 

„Das Gedächtnis von Babel“ ist der dritte Band der Spiegelreisenden-Reihe, den ich bestimmt auch lesen werde. Obwohl mich der zweite Teil nicht zu einhundert Prozent packen konnte, bin ich trotzdem sehr gespannt, wie es mit Ophelia weitergehen wird.

Von Christoph Scheuring habe ich bisher schon zwei Bücher gelesen und sehr gemocht. Das Thema von „Sturm“ hört sich interessant und sehr aktuell an: Klimaschützerin trifft auf wortkargen Fischer. Ich erhoffe mir, wenig Schwarzweiß und viele Grautöne zu diesem wichtigen Thema.

Jugendbücher aus dem Hanser-Verlag sind immer einen genauen Blick wert. Dieses Buch lockt auch noch mit der Beschreibung „Für Fans von ‚Wunder'“ – eines meiner Alltime-Favourites. Ich bin also gespannt, ob mich „Freischwimmen“ genauso begeistern kann.

Februar

„Helsin Apelsin“ ist ein Kinderbuch der wundervollen Autorin Stefanie Höfler. Da sie mich bisher mit ihren Jugendbüchern so sehr verzaubern konnte, wandert auch dieses Buch auf meine Wunschliste, obwohl mich das Cover jetzt erstmal nicht so wirklich anspricht.

Die Geschichte von „Alles, was wir träumten“ klingt sehr mitreißend: Lennys Bruder hat eine ganz besondere Krankheit und ist mit sieben Jahren schon so groß wie ein erwachsener Mann. Die beiden Geschwister tun alles dafür, die Krankheit verdrängen zu können und sich wegzuträumen. Aber irgendwann geht auch das nicht mehr …

Ich mag besondere Charaktere und davon scheint es bei „Die unzertrennlichen Sieben“ ganz besonders viele – vermutlich sieben – zu geben. Ich erhoffe mir ein lustiges und spezielles Kinderbuch.

Von Sebastien de Castell habe ich die „Greatcoats“-Reihe geliebt und verschlungen. Nun ist der erste Band seiner neuen Reihe endlich auf deutsch erschienen und ich freue mich sehr auf „Spellslinger“.

„Im Schatten des Kronturms“ ist der erste Teil der Vorgänger-Reihe zu den Riyria-Bänden. Verwirrenderweise werden die neuen Bücher unter der Riyria Chroniken veröffentlicht. Hoffenlich kommt da niemand durcheinander. Ich freue mich auf jeden Fall, dass es noch so viele Bücher von diesem genialen Autor gibt, die ich entdecken kann.

Sind Cover und Titel von „Hör mir zu, auch wenn ich schweige“ nicht toll? Ich bin gespannt, was dieses Erstlingswerk zu bieten hat. Die Stimmen zur Geschichte sind auf jeden Fall voll des Lobes.

März

Auf „Frost Files: Letzte Hoffnung“ hört sich wirklich genial an. Sehr actiongeladen und spannend. Ich mag Urban-Fantasy richtig gerne und musste beim Klappentext zum Beispiel an die Bücher von Jennifer Estep denken.

Jaaaaaaaa! Auf den zweiten Band der Vanitas-Reihe freue ich mich schon sooo lange. Frau Poznanski schreibt einfach genial, so dass es sicherlich nicht lange dauern wird, bis ich „Vanitas. Grau wie Asche“ kaufen und verschlingen werde. Ich brauche dringend noch ein „Bitte nicht stören. Ich lese.“-Schild! 😀

Die Bücher von John Grisham habe ich als Jugendliche verschlungen. Ob ich sie wohl immer noch mag? Auf jeden Fall erscheint in diesem Jahr mit „Die Wächter“ ein neues Buch von ihm. Ich werde mal die ersten Stimmen abwarten, bin aber durchaus interessiert … 🙂

Hach ja, ich weiß gar nicht genau, ob ich „Julibraut“ lesen soll, es ist der letzte Band der Jette-Reihe, die mich nun schon so viele Jahre begleitet. Quatsch: Natürlich werde ich es lesen, aber ich werde bestimmt ein bisschen wehmütig sein.

Aus der Phönix-Reihe habe ich immer noch nicht den zweiten Band gelesen. Das Tolle ist: Wenn dann im März der dritte Band erscheint, kann ich zuerst das Hörbuch (hoffentlich gibt es eines) vom ersten Band nochmal hören und dann direkt die beiden Nachfolger hintereinander weglesen. Also, ich freue mich auf „Phönix. Sintflut“.

Im letzten Jahr habe ich „Blind“ von Christine Brand gelesen. Der nächste Teil mit den gleichen Ermittlern und eben auch wieder mit dem blinden Nathaniel erscheint im März unter dem Totel „Die Patientin“. Ich kann mir sehr gut vorstellen, auch diesen Thriller wieder zu lesen.

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[Bücher] „Der Blumensammler“ von David Whitehouse

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Peter Manyweathers lebt ein einfaches und eher einsames Leben. Er arbeitet als Reinigungskraft und säubert heruntergekommene und verwahrloste Wohnungen. In einer dieser Wohnung findet er eines Tages inmitten des Drecks und Schmutz eine kleine Blume. Ein Moorveilchen, wie er später durch eine Blumen-Enzyklopädie herausfindet.

In diesem alten, staubigen Buch findet Peter allerdings noch mehr und zwar einen Brief, der sein Leben verändern wird. In diesem Liebesbrief schrieb ein junger Mann an seine Freundin. Er erwähnt in diesem Brief eine Liste von einzigartigen und fantastischen Blumen, die ihn an seine Liebste erinnern. Und so macht sich Peter auf eine Reise, auf der er nicht nur diese sechs besonderen Blumen, sondern noch viel mehr entdecken wird …

„Außerdem hatte er ohnehin andauernd an den Liebesbrief denken müssen, seit er ihn in der Bibliothek entdeckt hatte. Ja, es war die Geschichte einer anderen Person, aber er wollte diese Geschichte selbst erleben. Er hoffte, wenn er mehr über Blumen lernte, würde ihn das der Romantik näher bringen, die in den Worten dieses Briefes enthalten war – eine Romantik, die er sich insgeheim auch für sein eigenes Leben ersehnte.“ (S. 69)

Anfangs habe ich mich mit der Erzählweise des Autors etwas schwer getan. Denn obwohl die Geschichte um den sympathischen Peter Manyweathers die Haupthandlung darstellt, gibt es noch zwei weitere Handlungsstränge, mit denen ich zunächst nicht wirklich viel anfangen konnte. Erst als langsam klar wurde, wie die einzelnen Handlungen und Figuren miteinander in Verbindung stehen, konnte ich mich so ganz auf die Geschichte einlassen.

Der Blumensammler
Die sechs Blumen, die im Liebesbrief erwähnt werden

„Der Blumensammler“ erzählt eine schöne, aber auch traurige Geschichte. Es geht um Sehnsucht und Erinnerungen, um Verbundenheit und die eigene Identität. Insgesamt kann ich das Buch empfehlen und freue mich, Peter auf seiner Reise begleitet, diese besonderen Blumen und ganz viel Liebe entdeckt zu haben.

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[Bücher] „Naturelove. Die 50 schönsten Vögel der Welt“

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Seit meiner Kindheit finde ich Vögel toll. Schon als 10-Jährige habe ich Informationen zu den verschiedensten Vögeln gesammelt – aus Zeitschriften, Fachbüchern und wo immer ich sonst noch etwas finden konnte.  Schöne Bücher liebe ich sowieso – diese kleinen Buchschätze, die irgendwie besonders sind. Die man gerne in der Hand hält und liebevoll streichelt.

Der DK Verlag hat mit Naturelove eine tolle neue Buchreihe herausgebracht, von der das erste Buch gestern bei mir eingezogen ist.

Naturelove

Auf je zwei Seiten werden in meinem Buch die 50 schönsten Vögel der Welt kurz vorgestellt. Neben den typischen Steckbriefdaten gibt es einen kurzen, informativen Text über die Besonderheiten der Vögel. Wunderschöne Illustrationen komplettieren die Seiten. Und das Besondere: Man kann einen Teil der Seiten herausnehmen, so dass der obere Teil der Seite nur den Umriss des Vogels enthält. So wird das Buch zu einem kleinen Kunstwerk.

Ich mag Sachbücher, die mir einen kleinen Überblick über ein bestimmtes Themengebiet geben, aber mich nicht mit Informationen erschlagen, besonders gerne. Mein Lieblingsmann und ich (naja, ehrlich gesagt: vor allem ich) haben beschlossen, das Buch Seite für Seite gemeinsam zu lesen. Und ich bin mir sicher, dass es nicht der letzte Band aus dieser schönen Reihe sein wird, der bei uns zu Hause einzieht.

 

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[Bücher] „Das Gleichgewicht der Welt“ von Rohinton Mistry

u1_978-3-596-14583-6.54797754Inhalt:

Indien, 1975: Indira Gandhi wird Wahlbetrug vorgeworfen, ihre politischen Gegner fordern ihren Rücktritt. Stattdessen verhängt die Ministerpräsidentin den Ausnahmezustand über das Land.

In diesem Jahr begann auch meine Reise durch Indien. Ich lernte Dina Dalal kennen, die nach dem Tod ihres geliebten Mannes nicht wieder verheiratet werden will und alles für ihre Unabhängigkeit tut. Mistry machte mich mit Om und Ishvar – Neffe und Onkel – bekannt, die, nachdem ihre komplette Verwandtschaft im Dorf verbrannt wurde, in die Stadt kommen, um dort Arbeit als Näher zu finden. Ich genieße die Ruhe und Besonnenheit des Onkels und fühle mit der Ungeduld und der rebellischen Einstellung des Neffen. Fast wie nebenbei treffe ich Maneck, der von seinen Eltern zum Studieren in die große Stadt geschickt wurde und dort mit den erbärmlichen Zuständen, Bettwanzen und brutalen „Streichen“ an der Universität zu kämpfen hat. Ich begleite ihn aber auch während er Freundschaften schließt und über alle gesellschaftlichen Barrieren hinweg sieht.

Meine Meinung:

Dieses Buch hat mich begeistert: Mit einer Leichtigkeit haben mich die Worte des Autors über die etwa 860 Seiten getragen. Mistry gelingt es, den Leser durchweg durch seine liebevoll ausgearbeiteten Figuren zu fesseln. Die Stimmung des Buches ist gleichzeitig fröhlich und grausam. Es wird das Leid der indischen Bevölkerung, insbesondere der unteren Kasten, dargestellt, ohne die positiven, lustigen Momente außer Acht zu lassen.

In mir hat dieses Buch das Interesse an Indien und dem dort herrschenden Kastensystem geweckt, ohne mich mit der Nase drauf zu stoßen. Insgesamt ist dies kein politisches Buch, sondern ein Roman, der feinfühlig die Stimmung in Indien zur Zeit des Ausnahmezustands beschreibt und dabei nebenher den Leser für gewisse politische und gesellschaftliche Aspekte sensibilisiert.

Ein absolut lesenswertes Buch!

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[Bücher] „Hiobs Brüder“ von Rebecca Gablé

508415b79ecff079Inhalt:

Der junge Simon wird aufgrund seiner Fallsucht (Epilepsie) von Mönchen in eine Inselfestung gesperrt. Dort ist er nicht allein, sondern umgeben von vielen anderen „Krüppeln“, „Verrückten“ und „Besessenen“, wie nicht nur die Mönche sie nennen. So trifft Simon auf zum Beispiel auf Losian, der sein Gedächtnis verloren hat, auf King Edmund, der sich für einen längst verstorbenen Märtyrerkönig hält oder auf die Zwillinge Wulfric und Godric, die zusammengewachsen sind.

Doch dann beendet ein Sturm, der die Festung zum Einsturz bringt, die Gefangenschaft der Gefährten. Das Leben in Freiheit birgt allerdings auch einige Gefahren für die Gruppe der Verstoßenen, besonders als Losian nach und nach erfährt, wer er wirklich ist.

Meine Meinung:

Dieses Buch der zu Recht beliebten Autorin Rebecca Gablé ist mal wieder ein Meisterwerk. Es spielt etwas weniger in der großen Politik Englands, wie es viele ihrer anderen Bücher tun. Gerade dies hat mir besonders gut gefallen, denn so konnte ich endlich auch mal die Handlung verstehen. 😉

Mit Liebe zum Detail hat Gablé ganz unterschiedliche Figuren geschaffen, die der Leser begleiten kann. Das Buch hat zwei Hauptpersonen, nämlich Simon und Losian, deren Geschichten mehr oder weniger miteinander verstrickt sind. Doch auch die Geschichte der restlichen Gefährten wird immer wieder aufgegriffen. Ich meine beim Lesen gespürt zu haben, wie sehr die Autorin ihre einzelnen Figuren mag, denn sie hat es geschafft, (fast) alle mit ihren kleinen Macken und Eigenheiten liebenswert zu machen.

Schon von den anderen Büchern von Frau Gablé war ich restlos begeistert, aber ich habe das Gefühl, dieses könnte sich zu einem neuen Lieblingsbuch entwickeln. Eine klare Leseempfehlung!!!

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[Bücher] „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ von Thomas Brussig

u1_978-3-596-14847-9.55140615Inhalt:

„Glückliche Menschen haben ein schlechtes Gedächtnis und reiche Erinnerungen“ schreibt Brussig in seinem Buch. Und so zeichnet er die Jugendjahre von Micha, der Hauptperson dieses Buches, an der Grenzzone der DDR in schillernden Farben und mit einer gewaltigen Prise Humor.

Micha und seine Gruppe von Freunden wachsen mehr oder weniger von den Einschränkungen der DDR beeinträchtigt in dem kürzeren Ende der Sonnenallee auf. (Diese wurde Michas Meinung nach überhaupt nur deshalb getrennt, weil Churchills Zigarre ausging, Stalin ihm Feuer anbot und dafür sechzig Meter der vier Kilometer langen Sonnenallee zugesprochen bekam.)

Das Leben der Jungendlichen dreht sich um verbotene Musik, revolutionäre Gedanken und vor allem um Miriam, in die alle Jungen der Schule verliebt sind; Micha natürlich auch.

Meine Meinung:

Dieses kleine, aber sehr feine Buch habe ich wirklich gerne gelesen. Auf ca. 150 Seiten hat mich der Autor immer wieder zum Schmunzeln und oft auch zum lauten Lachen gebracht. Er beschreibt das Leben in der DDR nicht so düster, traurig und eingeschränkt, wie man es vielleicht vermutet hätte. Im Vergleich zu vielen anderen Büchern, die sich mit einer ähnlichen Thematik beschäftigen, Zeit Brussig auf, dass auch dort die Jugendlichen, die von den Westdeutschen oft als „Zonis“ beschimpft werden, ein ganz normales Leben führen, sich verlieben, Partys feiern und Musik hören.

Durch das oben genannte Zitat nimmt der Autor allerdings allen Kritikern, die sein Buch vielleicht als zu rosarot bezeichnen könnten, den Wind aus den Segeln. Meiner Meinung nach macht er dadurch deutlich: In der DDR war es mit Sicherheit nicht immer leicht, aber diese Geschichte soll die schönen Jugendjahre in Erinnerung rufen und in den Vordergrund stellen.