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[Bücher] „Über dem Meer tanzt das Licht“ von Meike Werkmeister

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„Über dem Meer tanzt das Licht“ ist bereits das zweite Buch, das ich von Meike Werkmeister lese. Zeitlich spielt es etwa ein Jahr nach „Sterne sieht man nur im Dunkeln“. Wer das erste Buch noch nicht kennt, aber lesen möchte und sehr empfindlich auf Spoiler reagiert, sollte diese Rezension nicht lesen. „Über dem Meer tanzt das Licht“ kann man allerdings auch unabhängig von dem Vorgänger lesen.

„Ihm strich ich sanft durchs krause Haar, das sich immer so anfühlte, als hätte er das Salzwasser nicht richtig herausgespült, egal, wie lange er duschte. Dann kuschelte ich mich an die beiden. Wer hätte gedacht, dass ich eines Tages so viel Glück haben würde, fragte ich mich, während draußen der Wind um die Häuser jaulte.“ (S. 18)

Maria ist glücklich. Sie hat eigentlich alles, was sie sich vom Leben wünscht. Ihr kleines Strandcafé läuft gut, mit ihrem Freund Simon ist sie glücklich und zusammen mit ihren Töchtern Morlen und Hannah sind sie eine richtige kleine Familie.

Doch dann beschließt Simon, dass er seiner Tochter Hannah die Welt zeigen möchte. Sie soll erleben, wie er früher war und gelebt hat. Er, der Abenteurer. Und was ist mit Maria? Einst bereiste auch sie die Welt, lebte im Hier und Jetzt. Wer ist sie jetzt noch? Ist sie nur mit sich selbst glücklich – auch ohne Simon, der die Sonne in ihr Leben bringt?

Meike Werkmeister beginnt mit ihren Büchern oft dort, wo andere Autor*innen aufhören. Dort, wo sich das Liebespaar bereits gefunden hat. Dort, wo Vertrautheit herrscht und das Glück lebt. Doch was ist, wenn eine Konstante ins Wanken gerät? Wenn die Hauptperson plötzlich allein dasteht?

„Er strich mit seinem Daumen ein paar Tropfen von meiner Wange und sah mich genauso an, wie ich schon immer hatte angesehen werden wollen, seit ich ein kleines Mädchen war.“ (S. 27)

Schon das erste Buch der Autorin hat mich berührt und begeistert – mit „Über dem Meer tanzt das Licht“ hat Meike Werkmeister meiner Meinung nach noch eine Schippe drauf gelegt. Maria ist eine tolle Protagonistin: Mit ihrem lauten Lachen, ihrer selbstbewussten Art und ihren tollen Kurven liegen ihr die Männer zu Füßen. Doch was verbirgt sich dahinter? Wie soll Maria den Tod ihrer Mutter verkraften? Und das zu einer Zeit, in der ihre eigene kleine Familie auseinander gerissen wird.

Marias Weg zu sich selbst hat mich sehr mitgenommen, ohne dass ich ganz genau sagen kann, warum. Ich war an vielen Stellen den Tränen nah, musste immer wieder schlucken. Zum Ende hin löste sich dann eine innere Anspannung. Einnehmend! Einnehmend und authentisch – so würde ich die Schreibweise der Autorin beschreiben. Und wer sich nicht selbst ein Stückchen in Maria wiederfindet, der hätte sie zumindest gerne als Freundin.

„Über dem Meer tanzt das Licht“ hat viel mit mir gemacht, ohne dass ich sagen könnte, woran genau das lag. Ich kann das Buch nur jedem empfehlen, würde aber dazu raten, zunächst „Sterne leuchten auch im Dunkeln“ zu lesen.

Bücher

[Bücher] Interessante Neuerscheinungen im dritten Quartal 2020

Heute möchte ich euch gerne die Neuerscheinungen für die Monate Juli, August und September vorstellen, über die ich in den Vorschauen gestolpert bin und die ich besonders interessant finde. 🙂 Wie immer würde ich natürlich auch gerne eure Meinung hören: Welche Bücher findet ihr besonders spannend? Habe ich eine gute Neuerscheinung übersehen?

Juli

„Blacksmith Queen“ hört sich nach einem Fantasyroman mit einer starken Heldin an. Ich mag das Cover wirklich gerne. Die Autorin ist mir (vom Hörensagen) bisher nur durch ihre Romantasy-Titel bekannt – ein Genre, das ich an sich nicht so gerne lesen. Ich denke, bei diesem Buch werde ich die ersten Rezensionen abwarten.

„Ein Sommer in Sommerby“ war  im letzten Jahr eines meiner Buchhighlights. Umso mehr freue ich mich, dass eine Fortsetzung erscheint. „Zurück in Sommerby“ wird mit Sicherheit auf meiner Sommerferienleseliste laden, denn es garantiert einfach schöne, gemütliche und heimelige Lesestunden.

Der Roman „Die Erfindung der Null“ klingt vielschichtig und nicht ganz einfach zu lesen. Der Mathematiker Martin Gödeler wird eines Verbrechens verdächtigt. Während des Verhörs erzählt dieser seine Lebensgeschichte und hält dabei im Laufe des Gesprächs immer mehr die Fäden in der Hand. Die Geschichte wird auf der Verlagsseite als raffiniert konstruiert und spannend beschrieben.

August

„Cryptos“ ist das neue Buch von Ursula Poznanski, von der ich ja eigentlich fast alles gelesen habe. Auch dieser Titel klingt wieder spannend: Es geht um den Klimawandel und virtuelle Realitäten. Somit erinnert es mich ein wenig an die Eleria-Triologie, die ja auch dystopische war.

Ich habe zwar nur den ersten Band der Rabenschatten-Trilogie gelesen, aber dennoch finde ich es wichtig zu erwähnen, dass mit „Das Lied des Wolfes“ um Vaelin al Sorna erscheinen wird. Ich weiß, dass die Reihe viele Fans hat. Der erste Teil konnte mich auch begeistern, aber irgendwie war mir dann nach der Wartzeit der Wiedereinstieg zu mühsam.

Auch in „Sieben schwarze Klingen“ haben wir es mit einer weiblichen Fantasy-Heldin zu tun: Die Söldnerin Sal hat alles verloren, was sie geliebt hat. Auf Rache dürstend, bewaffnet mit einer magischen Pistole, einem Schwert namens Jeff und einer Flasche Whiskey zieht sie nun durchs Land, um ihre Feinde zu finden.

„Ich war der Lärm. Ich war die Kälte“ ist das neue Jugendbuch von Jenny Downham. Es geht um ein Mädchen mit Aggressionsproblemen auf der Suche nach Liebe und Akzeptanz. Stattdessen erfährt sie Ablehnung und Alleinsein. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich das Buch lesen möchte. Interessant finde ich es aber allemal.

Wirklich spannend finde ich das Thema in „Nur mit dir“. Die Hauptperson Roxanne hat nach einem traumatischen Ereignis ihr Gehör verloren. Dies nennen die Ärzte psychogene Taubheit. Jahre später passiert das Unglaubliche: Roxanne trifft einen Jungen, in dessen Gegenwart sie plötzlich wieder etwas hört – aber immer nur dann, wenn er auch wirklich in ihrer Nähe ist. Kann das sein?

„When we were lost“: ein Flugzeugabsturz, der Dschungel, 19 Jugendliche, viele Gefahren. Ich glaube, so könnte man den Inhalt des Buches bzw. des Klappentextes ganz gut zusammenfassen. Das Setting an sich ist nicht neu. Man darf auf die Umsetzung gespannt sein.

Mit „Der Kinderflüsterer“ gelang Alex North hier in Deutschland der große Durchbruch. Den Titel habe ich allerdings nicht gelesen, da mich der Klappentext nicht zu 100% ansprach. Nun ist mit „Der Schattenmörder“ ein neues Buch des Autors erschienen. Die Handlung klingt nicht bahnbrechend neu, aber fesselnd. Da ich aktuell sehr gerne Thriller lese, werde ich mir diesen hier wohl merken.

Mit ihrem neuesten Werk „Aus schwarzem Wasser“ scheint sich Anne Freytag scheinbar ein bisschen von ihren bisherigen Jugendbüchern abzuwenden und mehr in Richtung Jugendthriller zu gehen. Die Handlung hört sich unglaublich spannend an, das Cover mag ich auch sehr. Dieses Buch ist auf meiner inneren Merkliste sehr weit oben.

Ich lese unglaublich gerne Geschichten über Menschen, über besondere Charaktere mit Ecken und Kanten, die man ins Herz schließen kann. „Dieses entsetzliche Glück“  scheint ein Buch zu sein, dass mir in dieser Hinsicht besonders gut gefallen könnte. Die Autorin beschreibt das Leben von fünfzehn unterschiedlichen Menschen in einer Kleinstadt.

September

„Der Winter des Bären“ scheint ein Kinderfantasybuch der ganz besonderen Art zu sein: Mila lebt im Eldbjørn-Wald, in dem seit Jahren Winter herrscht. Sie und ihre drei Geschwister trotzen diesem gemeinsam. Doch dann verschwindet Milas jüngerer Bruder. Die Schwestern tun alles, um ihren Bruder mit Hilfe des Zauberers Rune zu retten.

Linda Mullaly Hunt ist seit „Wie ein Fisch im Baum“ auf meiner inneren Will-ich-lesen-Liste! Mit „Wie man den Wind aufhält“ wartet eine neue Geschichte auf mich, auf die ich mich sehr freue. Es geht um Freundschaft, Familie und Identität. Um das Gefühl geliebt zu werden, um große Gefühle wie Wut und Trauer. Für mich ein absolutes Must Read!

„Dein Leben gehört dir, nicht einer App“ – Doch was tut man, wenn es eine App gibt, die einem das Schicksal vorhersagt? Und wenn man dieses Schicksal partout nicht annehmen möchte? „Play“ von Tobias Elsäßer geht diesen Fragen nach. Das hört sich spannend und sehr aktuell an.

„Heldenblut“ ist der vierte Teil der „The First Empire“-Reihe von Michael J. Sullivan. Während mir die ersten beiden Bände richtig gut gefallen haben, konnte mich der dritte Teil nicht mehr komplett überzeugen. Mal gucken, ob ich den vorletzten Band noch lesen werde. Vermutlich aber schon, dafür bin ich eigentlich zu neugierig.

„The Age of Darkness: Feuer über Nasira“ ist der Auftakt zu einer neuen Fantasy-Reihe, die mit den Worten »Katy Rose Pool kombiniert liebenswerte Figuren, eine wunderbar plastische Welt und einen komplexen Plot … und schafft daraus eine Geschichte [mit]unaufhaltsamem Sog [bis] zum explosiven Ende.« angepriesen wird. Das hört sich so gut an, dass ich das Buch auf jeden Fall im Blick behalten werde.

Auch „Der Orden des geheimen Baumes“ ist der Auftakt zu einer Fantasy-Reihe: Die Welt wird von Frauen regiert: Königinnen, Magierinnen und Drachenreiterinnen sind an der Macht.  Doch dann bedroht ein riesiger Drache aus der Vergangenheit diese Welt und drei Heldinnen müssen zusammenarbeiten, um die Menschheit zu retten.

Seitdem der Zirkusdirektor gestorben ist, möchte die Elefantendame Lucille nicht mehr auftreten. Doch was tun, wenn der Elefant nun mal die Hauptattraktion des Zirkus ist? Die Geschäftsfrau Lise muss schnell handeln und so setzt sie sich eine ganze Nacht zur trauernden Elefantendame und erzählt – erzählt Dinge, die sie noch nie jemandem erzählt hat. „Die Kunst, einen Elefanten zum Tanzen zu bringen“ klingt nach einem schönen und besonderem Buch.

„Blutsfreunde“. Das neue Buch von Kristina Ohlsson. Der dritte Band der Martin-Benner-Reihe. Will ich lesen. Werd ich lesen. Mehr muss man dazu nicht sagen. Kristina Ohlsson ist eine meiner liebsten Thriller-Autor*innen.

Veronica Roth ist sicherlich vielen Lesern durch ihre Divergent-Reihe („Die Bestimmung“) ein Begriff. Ihr neues Buch, das passenderweise auch das Wort ‚Bestimmung‘ im Untertitel hat, stellt den Auftakt zu einem Urban-Fantasy-Zweiteiler für Erwachsene dar. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich „Die Erwählten: Tödliche Bestimmung“ lesen möchte und warte erstmal ein paar Meinungen dazu ab.

Bücher

[Bücher] Geschlechterverteilung in meinem Bücherregal

Immer wieder stolpere ich in den sozialen Medien über Aktionen, die Autorinnen in den Vordergrund rücken sollen, da sie auf dem Buchmarkt als deutlich unterrepräsentiert wahrgenommen werden. Ich habe mich mit dem Thema viel zu wenig beschäftigt, um dazu eine fundierte Meinung oder auch nur einen kleinen Eindruck zu haben. Ich kaufe, meiner Meinung nach, ohne auf das Geschlecht des Autors / der Autorin zu achten und möchte das auch weiterhin so tun. Ich möchte die Bücher lesen, bei denen mich das Cover oder der Klappentext anspricht, die ich empfohlen bekommen oder über die ich Gutes gelesen habe. Das soll an dieser Stelle nicht heißen, dass ich solche Aktionen nicht gut und sogar wichtig finde.

Mich hat aber vor allem eins interessiert: Wie sieht es denn in meinen Bücherregalen aus? Gibt es dort eine eindeutige Geschlechtervorherrschaft? Ganz im Allgemeinen? In einzelnen Genres? Also habe ich gezählt, gezählt und nochmal gezählt. 😉

Geschlechterverteilung im Bücherregal

Kurz vorweg: Ich habe in den letzten Jahren unglaublich viel aussortiert. Jetzt im Haus (und mit dem nächsten Umzug in weiter Ferne) werde ich sicherlich insgesamt wieder mehr Bücher in meine Regale stellen können.

Was fällt nun bezüglich der Geschlechterverteilung auf: Im Fantasybereich dominieren eindeutig die Männer in meinem Regal. Das hätte ich auch vorab so vermutet. In diesem Genre kommen vor allem Bücher von Autoren auf den Markt. Im Jugendbuch sieht es anders aus: Hier habe ich doppelt so viele Bücher von Frauen als von Männern in meinem Regal stehen.

Interessant fand ich auch die letzten drei Regale, die ich durchgesehen habe. Insbesondere nach dem Zählen der Thriller und ungelesenen Bücher habe ich mir gedacht: „Das glaubt dir doch so keiner!“, aber tatsächlich war da das Geschlechterverhältnis sehr ausgewogen. Im Thrillerbereich hätte ich auch noch mehr Männer vermutet.

Insgesamt habe ich übrigens mehr Bücher von Frauen (200) als von Männern (178) in meinen Regalen stehen, was sicherlich vor allem daran liegt, dass ich überdurchschnittlich viele Jugendbücher besitze.

Spannend wäre es auch nochmal zu erheben, wie viele einzelne Autoren und Autorinnen in meinem Regal vorkommen. Es könnte sein, dass es einen Unterschied macht, ob ich wie jetzt alle Bücher von Alexey Pehov einzeln zähle und werte (das waren übrigens neun) oder den Autor als einen männlichen Autoren zähle. Um das zu überprüfen, bin ich aber gerade zu zählfaul.

Ich werde übrigens dabei bleiben: Ich lese weiterhin, was mich anspricht – unabhängig vom Geschlecht des Autors / der Autorin. Ich bin aber auf jeden Fall offen für Empfehlungen von Fantasy-Autorinnen. Da habe ich tatsächlich bisher gerade im High-Fantasy-Bereich auch noch keinen so großen Fundus.

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[Bücher] „Annies Welt: 3×3 Gründe, glücklich zu sein“ von Jospehine Angelini

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Annie ist die jüngste von insgesamt neun Geschwistern. Das Nesthäkchen. Aufgezogen wurde sie von ihren älteren Schwestern. Ihre Mama hatte dazu keine Zeit und auch keine Kraft. Zwerg oder Winzling wird Annie oft genannt, weil sie so klein und zart ist. Das liegt daran, dass meistens nicht genügend Essen im Haus ist. Manchmal nennen ihre Schwestern sie aber auch Kotzkröte (weil sie sich so viel übergeben muss) oder Hohlbirne. Dabei ist Annie gar nicht hohl. Sie hat nur Schwierigkeiten mit dem Lesen. Und außerdem zählt sie ständig alle möglichen Dinge. Das beruhigt sie.

„Als ich nach Hause komme, merke ich sofort, dass Ärger in der Luft liegt. Es ist kein Geruch, kein Geschmack oder so. Man kann es nicht sehen oder hören und doch ist es überall. Es gibt keine Warnzeichen dafür, wenn meine Mutter mal wieder kurz vor dem Ausrasten ist, trotzdem sind wir alle in ständiger Alarmbereitschaft, immer auf der Lauer nach etwas, das man nicht mit der Nase, den Augen oder den Händen wahrnehmen kann.“ (S. 137)

Zum Glück hat Annie in der Schule tolle Mitschüler. Sie ist in einer Klasse für besonders begabte und kreative Kinder. Jordan ist ihr bester Freund. Er sagt oft nicht viel, aber Annie weiß eigentlich immer, was er denkt und fühlt. Sie weiß aber auch, dass sie anders ist als ihre Mitschüler. Und deswegen darf auch weder Jordan noch Kristin jemals erfahren, wie es bei ihr zu Hause ist. Wie es dort aussieht. Und wieso ihre Geschwister manchmal blaue Flecken oder lockere Zähne haben.

„Jordan zieht die Augenbrauen zusammen, als würde er sich über etwas ärgern, was ich gesagt habe. ‚Du bist gut darin, anderen Leuten ein gutes Gefühl zu geben.‘
‚Das hat aber nichts mit meinem Schicksal zu tun, Jordan. Das ist nicht wichtig.‘
Er bleibt stehen, also muss ich es auch. ‚Find ich schon‘, sagt er.“ (S. 160)

„Annies Welt“ ist traurig und schön. Gleichzeitig bedrückend und leicht. Annie selbst ist die liebenswerteste Person überhaupt. Klein, zart und dennoch nur daran interessiert, dass es allen anderen gut geht. Sie sorgt sich um ihre Schwestern und ihre Freunde. Will immer gut sein und niemanden verletzt. Auch Annies Familie ist nicht schwarz-weiß gezeichnet, denn so sind Familien nun mal nicht. In Annies Familie läuft vieles nicht rund. Schlimmer noch: Sehr vieles ist verkehrt und nicht gut. Und dennoch haben fast alle Familienmitglieder auch ihre positiven Facetten, so dass man etwas Verständnis für ihr Verhalten haben kann.

„Annies Welt“ ist das erste Kinderbuch von Jospehine Angelini, die ich übrigens auch schon mal live erleben durfte (eine sehr sympathische Frau). Ich bin wirklich begeistert, wie sich die Autorin diesem schwierigen Thema genähert und was für wundervolle Charaktere sie gezeichnet hat. Beim Lesen hatte ich mehr als ein Mal einen Kloß im Hals, aber auch ein liebevolles Lächeln auf den Lippen.  

Bücher

[Bücher] Aktuelle Gemütslage während der Coronazeit

Wirklich viel Zeit und innere Ruhe für Blogbeiträge habe ich gerade nicht. Gestern bin ich aber über eine Aktion von Fuxbooks (auf ihrem Instagramkanal) gestolpert. Hier ging es darum, die aktuelle Gemütslage in vier Buchtitel auszudrücken. Wie es im Internet so ist, verändert sich die Aktion von Beitrag zu Beitrag und so ist folgende „Aufgabenstellung“ bei mir angekommen: Drücke deine Gefühlslage während der Coronazeit in Buchtiteln aus. 😀 Et voilà!

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Es lässt sich schwer erkennen. Der unterste Titel auf dem linken Stapel ist „Auf der richtigen Seite“.

Für mich war die Coronazeit ein bisschen zwiegespalten: Zum einen war sie eher düster und anstrengend: Ich hatte manchmal das Gefühl, die Tage gehen gar nicht richtig rum. Jede Woche das gleiche. Abwarten, sich zu Hause verstecken. Im Supermarkt habe ich mich umgesehen und  hatte ein ganz absurdes, freakiges Gefühl, als plötzlich alle mit Einweghandschuhen und Gesichtsmasken herumliefen. Und dann spaltete Corona die Gesellschaft auch noch in zwei Lager: In die, die sich brav an die Regeln hielten und Abstand wahrten. Und in die, die alles viel zu locker nahmen, sich in ihren Grundrechten bedroht sahen.

Auf der anderen Seite brachte Corona auch viel Positives mit: Zeit, um den Garten schön zu machen, um uns unser Nest zu schaffen. Mit unserem Garten sehe ich uns übrigens tatsächlich auf der Gewinnerseite. Wanderungen im Wald brachten Lebensfreude zurück und meine Augen zum Funkeln. Und dann? Ja, dann kam auch noch der Heiratsantrag. Wie beide, irgendwann. Irgendwann, wenn alles wieder ein bisschen normaler ist. ❤

Bücher, Dies und Das

[Dies und Das / Bücher] „Happy. Das Buch vom Glück des Moments“ von Nicola Edwards und Katie Hickey

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Wie geht es euch? Wie kommt ihr gerade in dieser intensiven Zeit zurecht?

Intensiv ist für mich ein sehr passendes Wort, denn nicht alles ist schwierig. Manches ist sogar schön und gut, aber alles ist intensiv: die fröhlichen Momente wie die etwas bedrückten Momente. Ich genieße es, etwas mehr Zeit zu haben. Ich kann mehr nach meinem normalen Rhythmus arbeiten. Ich kann mich um 6 Uhr morgens an den Schreibstisch setzen und dann vormittags schon vier bis fünf Stunden was schaffen. Ich kann Pausen machen, wenn mir danach ist. Ich kann den einen Tag etwas mehr, den anderen Tag etwas weniger machen.

Aber mir fehlen meine Freunde. Ich vermisse meine Schüler und das pädagogische Arbeiten, denn darin bin ich richtig gut. Das gibt mir viel für mein Selbstwert. Ich vermisse es, nachmittags allein zu Hause zu sein und der Rückkehr vom Herzensmann entgegenzufiebern. Ich vermisse die Normalität.

Am Wochenende hatte ich einen kleinen Durchhänger. Irgendwie wollte sich kein wirklich fröhliches Gefühl einstellen. Das ist okay. Ich kann das (meist) hinnehmen und akzeptieren. Trotzdem wäre es ja anders schöner. Dann fiel mein Blick auf ein tolles Buch, das ich zu Weihnachten von einem lieben Freund geschenkt bekommen habe.

Also habe ich mir das Buch geschnappt und durchgeblättert. Ganz kurz und ganz simpel ist das Buch. Wundervoll illustriert. Und trotz oder gerade wegen der wenigen Worte enthält es so viel Weisheit: Lebe bewusst! Höre den Vögeln zu! Schenke dem, was du tust, Achtsamkeit! Entdecke etwas Neues! Was riechst du? Was schmeckst du? Eine Umarmung kann so gut tun – genieße sie! Koch dir etwas Leckeres, genieße dein Essen ganz bewusst. Atme! Entspanne! Nimm dir Zeit für dich!

Seitdem mache ich mein tägliches Ritual noch etwas bewusster und achtsamer: Ich gehe jeden Morgen durch unseren kleinen Garten, atme die frische Luft, nehme jedes Blümchen und jede Pflanze wahr. Ich erfreue mich an allem, was ich neu entdecke. Ich höre die zwitschernden Vögel (und später die quakenden Frösche). Ich rieche – mal den Regen, mal die Sonne. Unser kleiner Garten. Unser Paradies. So schön und wertvoll!

Bücher

[Bücher] Interessante Neuerscheinungen im zweiten Quartal 2020

Auch für das zweite Quartal möchte ich euch die Neuerscheinungen vorstellen, die mich besonders angelächelt haben. Ich stöbere immer sehr gerne in den Vorschauen der Verlage, notiere mir Titel und Erscheinungsdaten. Nur um dann doch nicht genügend Lesezeit zu haben, um all die tollen Titel auch wirklich lesen zu können. 😀 Aber ich weiß, dass es sie gibt, und allein das macht mich schon ein bisschen glücklich.

April

Caleb, Hauptperson und Ermittler in „No Sound – Die Stille des Todes“, ist gehörlos. Dies verschafft ihm vermeintlich einen Nachteil. Tatsächlich aber hat er dadurch bei seinen Ermittlungen auch Vorteile, denn er ist es gewohnt, seinen anderen Sinnen deutlich mehr Beachtung zu schenken. Nicht nur wegen meines Studiums der Hörgeschädigtenpädagogik finde ich diesen Thriller sehr interessant.

In „Sieben. Spiel ohne Regeln“ werden die Themen Survival und Mobbing auf eine interessante Art kombiniert. Link ist jahrelang Mobbingopfer. Als er mit seinen Mitschülern auf einer tropischen Insel strandet, sind sie allerdings von ihm abhängig, denn nur er als Nerd hat das nötige Wissen, um zu überleben.

Bisher habe ich von der isländischen Bestellerautorin noch nichts gelesen und würde desqwegen auch nicht mit diesem vierten Band einer Reihe beginnen. Trotzdem klingt „Abgrund“ sehr spannend, so dass ich vielleicht demnächst mal zum ersten Teil „DNA“ greifen werden.

„254 Tage mit Jane Doe“ klingt nach einem wirklich tollen Jugendbuch, das gleichzeitig schön und traurig ist. Ein Coming-of-Age-Roman, der bewegt und unterhält. Die beiden Hauptpersonen scheinen besondere Jugendliche mit Ecken und Kanten zu sein, vielleicht sogar ein bisschen schräg. Das mag ich.

Ich vermute, dass „Das wirkliche Leben“ keine leichte Kost ist. Hauptperson ist ein zehnjähriges Mädchen, das alles dafür tut, um sich und ihren Bruder aus den Fängen des alkoholkranken und scheinbar gewalttätigen Vaters zu retten. Allein der folgende Satz von der Verlagshomepage hat bei mir für Gänsehaut gesorgt: „In diesem Sommer erhellt nur das Lachen ihres kleinen Bruders Gilles das Leben des Mädchens.“

Nach den „Goodnight Stories for Rebel Girls“ gibt es nun eine Neuerscheinung im Hanser Verlag, die vom Konzept ganz ähnlich scheint. In „Young Rebels – 25 Jugendliche, die die Welt verändern“ werden verschiedene junge Menschen in kurzen Portraits vorgestellt, die die Welt ein kleines bisschen besser machen wollen.

Mai

„One of us is next“ ist die Fortsetzung zu „One of us is lying“ und spielt ein Jahr später. Den ersten Band fand ich sehr unterhaltsam und schmökerig, weswegen ich mir sehr gut vorstellen kann, auch den Folgeband zu lesen.

Lust auf einen Roadtrip durch Europa? Dann könnte „The Summer of us“ etwas für dich sein. Das Cover spricht mich total an. Beim Klappentext bin ich mir noch nicht zu 100% sicher, aber bei dtv erscheinen erfahrungsgemäß oft sehr hochwertige und tiefgängige Jugendbücher. Ich werde dieses Buch auf jeden Fall weiter im Hinterkopf haben.

Das Autorenduo Antje Wagner und Tania Witte haben unter ihrem Pseudonym Ella Blix nun ihren zweiten Roman „Wild“ geschrieben. Ich schätze beide Autorinnen sehr und freue mich auf ihr neustes Werk, das mal wieder sehr spannend und mysteriös klingt.

„Das Antiquariat der Träume“ klingt so toll, dass ich es unbedingt lesen möchte. Es geht um Liebe, Verlust und zum Leben erwachte Romanfiguren wie Pippi Langstrumpf und Sherlock Holmes. Hach …. ❤

Der neueste Jugendroman von Anne Freytag handelt von drei grundverschiedenen Jugendlichen an einer Schule. Als plötzlich ein Blog auftaucht, auf dem Julias Gedanken ungefiltert an die Öffentlichkeit gelangen, ist nichts mehr wie es war. „Das Gegenteil von Hasen“ scheint ein Buch über Freundschaft, Mobbing und die eigene Entwicklung zu sein.

Leonie Swann ist bisher vor allem durch ihre Glennkill-Bücher bekannt geworden. In „Mord in Sunset Hall“ sind nicht Schafe, sondern ein paar alte Damen die Hauptfiguren. Wieder muss ein Mörder gefunden werden. Das hört sich nach einem unterhaltsamen Lesevergnügen mit skurrilen Charakteren an.

Juni

Thomas Finn ist mit Sicherheit einer der sympathischsten Autoren, die ich kenne. Gleich nach Michael Peinkofer. Vor allem mit „Aquarius“ konnte er mich begeistern. Nun kommt mit „Bermuda“ ein neuer Thriller von ihm raus, der inhaltlich ein wenig an Lost erinnert.

Endlich mal wieder was Neues von Rachel Cohn und David Levithan. Das Erfolgsduo hat schon viele tolle Jugendbücher gemeinsam geschrieben. Auch „Sam & Ilsa“ hört sich toll an. Die beiden Zwillinge sind für ihre guten Partys berühmt. Zum Highschoolabschluss soll es eine letzte große Party geben. Beide laden drei Überraschungsgäste ein – und damit nimmt die Geschichte ihren Lauf.

Von Kristina Günak habe ich unter ihrem Pseudonym Kristina Valentin bisher „Garten der Wünsche“ gelesen. Das mochte ich sehr. Nun erscheint „Die Liebe kommt auf Zehenspitzen“ der Autorin und ich bin wirklich neugierig, ob mir auch andere Bücher von ihr gefallen. Vom Klappentext klingt der Inhalt jetzt zunächst etwas kitschig und klischeehaft, aber ich vermute, dass ich auch hier wieder mehr Tiefgang bekomme, als ich erwartet hätte.

 

Bücher

[Bücher] „Der Salzpfad“ von Raynor Winn

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Raynor und Moth haben alles verloren. Dabei waren sie so glücklich. Sie hatten ihre eigene Farm. Ihre Farm. Ihr Zuhause, das sie sich selbst aufgebaut haben. Und dann? Plötzlich stehen sie vor dem Nichts. Dazu kommt noch, dass bei Moth eine tödliche Krankheit entdeckt wurde. Eine neue Bleibe bekommen sie nicht. Was nun?

„Haben wir einen Plan?“
„Natürlich. Wir wandern, bis wir aufhören zu wandern, und vielleicht finden wir unterwegs so etwas wie eine Zukunft.“
(S. 68)

Dies ist die wahre und autobiografische Geschichte von Raynor und Moth. Als die beiden obdachlos werden, beschließen sie, den South West Coast Path zu wandern. Dies ist der bekannteste Küstenweg in England. In dem Buch beschreibt Raynor ihre Wanderung, die den beiden alles abverlangt. Gleichzeitig ist jeder Schritt auch eine Reise zu sich selbst.

„Aber wer war ich jetzt? Wer war Moth? Würden tausend Kilometer reichen, um die Antwort darauf zu finden?“ (S. 40)

Selten stand ich einem Buch so zwiespältig gegenüber. Zwischen den Seiten stecken so viel Weisheit und so viele kluge, schöne und bewegende Worte. Ich glaube, ich könnte auf dem Blog eine eigene Beitragsreihe „Wunderschöne Zitate aus ‚Der Salzpfad'“ beginnen.

Dennoch geht die Handlung etwas schleppend voran. Letztendlich gibt es tatsächlich recht wenig Handlung. Raynor beschreibt ihre einzelnen Etappen und kleine besondere Highlights. Was mich anfangs noch sehr fesseln konnte, wiederholte sich irgendwann etwas zu oft – für meinen Geschmack.

„Wir hätten die Wanderung abbrechen können, aber wir hatten nichts zu verlieren, und es gab einen guten Grund, weiterzuwandern. Hier waren wir frei, zwar den Elementen ausgesetzt, hungrig, erschöpft und durchgefroren, aber frei.“ (S. 211)

Möchte ich euch dieses Buch nun empfehlen oder rate ich davon ab? Doch, lest dieses Buch, denn es ist schön. Es führt den Leser genauso wie Moth und Raynor ein bisschen zu sich selbst. Ich bin den South West Coast Path gemeinsam mit den beiden gewandert. Ich habe auch die Salzluft gerochen und die Sonne auf meiner Haut gespürt. Ja, zwischendurch war es etwas beschwerlich. Manche Strecken waren vielleicht etwas zu lang, aber ich habe gefunden, wonach ich gesucht habe.

 

Bücher

[Bücher] Dies sind die Nominierungen für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2020

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Die Leipziger Buchmesse musste dieses Jahr ja leider wegen Corona ausfallen. Ob es im Herbst mit der Frankfurter Buchmesse klappen wird, steht noch in den Sternen. Nichtsdestotrotz wurden wie jedes Jahr die Nominierungen für den Deutschen Jugendliteraturpreis bekannt gegeben.

Mich interessieren hierbei immer vor allem die Kategorien „Jugendbuch“ und „Preis der Jugendjury“. Wer auch noch wissen wollte, welche Bücher in den Sparten „Bilderbuch“, „Kinderbuch“ und „Sachbuch“ nominiert sind, der findet die Informationen hier auf der Seite des Arbeiskreises Jugendliteratur.

Nominierungen in der Kategorie „Jugendbuch“

Von den sechs nominierten Büchern interessieren mich „Kein Teil dieser Welt“ und „Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte“ ganz besonders. Auch „Long Way Down“ klingt inhaltlich spannend, ich bin mir aber nicht sicher, ob ich die Versform so gerne lesen möchte.

Nominierung in der Kategorie „Preis der Jugendjury“

„Die Verlobten des Winters“ habe ich bereits gelesen. Mein bisher einziges Buch von Shusterman habe ich abgebrochen. In dieser Sparte interessieren mich vor allem die beiden Bücher zur Flüchtlingsthematik: „Junge ohne Namen“ und „Über die Berge und über das Meer“, aber auch „Wer ist Edward Moon“ klingt nach einer Geschichte ganz nach meinem Geschmack.

Hast du schon eines der nominierten Bücher gelesen? Von welchen hast du vielleicht schon Gutes oder Schlechtes gehört? Interessiert dich einer der Titel besonders?